VERANSTALTUNGEN

Kammermusik, Musik
Magdalenenkirche

Zwischen Nebel und Licht

So | 29.09.2019 | 17:00 Uhr | 04571 Rötha, Straße der Freundschaft 37

Zwischen Nebel und Licht
Englische Musik des 17. Jahrhunderts

England steht wie viele europäische Länder im 17. Jahrhundert in einem Kulturkonflikt. Eine fast übermächtige italienische Musikindustrie schickt sich an, Europa zu erobern. Für nationale Stile wird es immer schwerer, Eigenheiten zu bewahren. So auch in England. Das erstarkende Bürgertum ist fast süchtig nach der Kraft aus dem Süden. Und sie haben das Geld und die Möglichkeiten, Musikern aus Italien die Reise zu finanzieren, Musikdrucke zu kaufen oder englische Komponisten zu überreden, im italienischen Stil zu komponieren.

Wie aber geht ein englischer Komponist mit diesen Zwängen um? Wie kann er die Jahrhunderte alten englischen Besonderheiten, Klänge, Techniken, Instrumente bewahren vor dieser südlich
attraktiven Schönheit? Was hat der englische Nebel für eine Chance im Angesicht der lichtvollen Kraft Italiens?
Auch dem Hörer von heute ist das kein fremder Konflikt: Im Angesicht des Fremden - worauf lassen wir uns wirklich ein im Zeitalter von kultureller Globalisierung? Wem und was sind wir bereit unser Ohr zu leihen?

Anthony Holborne aus Fantasien und short aers, 1597
1545 ­ 1602 Fantasia, Gush forth my teares, Coranto

John Baldwine Browninge
1560 – 1615

John Hilton Preludio, Fantasia
1599 – 1657

Mathew Locke Suite in d
1621 ­ 1677 Fantazie, Courante, Ayre, Sarband

Elway Bevin Browninge
?

Henry Purcell Sonata on a Ground
1659 – 1695

Anthony Holborne Fantasia, Here rest my thoughts, Since bonny boots, Sit still

Leipziger Blockflöten Ensemble

Es ist schon eine Weile her. Wir saßen in einem Zugabteil auf der Fahrt zu einem Konzert in einer kleineren Stadt - war es Quedlinburg? - ich habe es vergessen. Schwer bepackt mit Blockflöten aller Art, wie wir es immer sind. Die größeren passen nur in eine Kindersarg-ähnliche Box, die Aufmerksamkeit erregt. Eine freundliche ältere Dame setzte sich zu uns, und wirkamen darüber ins Gespräch. Schnell hatte sie eine Leidensgeschichte mit der Blockflöte parat, das bekommen wir ja oft zu hören. Manchmal halten wir es schlecht aus - so auch diesmal - dann packen wir einfach aus und fangen an zu spielen. Und auch wenn es laut war im Zug, und es sicher schönere Konzertorte als ein Abteil gibt - es hat funktioniert. Sie war sehr berührt und hat einen großen Umweg in Kauf genommen, um unser Konzert zu hören.

Unser Klang ist klar und herb zugleich. Wie ein weicher Stoff aber nicht Seide, eher wie eine Mischung aus Baumwolle und Merino. Baumwolle für die Struktur, die innere Stabilität und Merino für die Weichheit darin und die Wärme. Wir spielen überwiegend Alte Musik, Johann Sebastian Bach und älter. Was uns über den Klang hinaus interessiert, ist es, Ihnen mit den Tönen Geschichten zu erzählen. Was hat den Komponisten bewegt als er vor dem weißen Blatt Papier saß? In welchen emotionalen und kreativen Spannungsfeldern hat er gelebt? Und vielleicht am Wichtigsten: was erzählen uns heute diese musikalischen Geschichten von vor hunderten von Jahren? Welche Botschaften können wir hören in unser digitales und globalisiertes Jahrhundert hinein?

Freuen Sie sich also auf ein ganzheitliches Konzerterlebnis mit dem Leipziger Blockflöten Ensemble: Für den Körper diesen Klang, für den Geist die Geschichten und für die Seele die Freude über beides.


Leipziger Blockflöten Ensemble
Ann-Katrin Seifert
Franziska Steiner
Kornelius Unckell